Influencer im eSports

Gamer sind die besseren Influencer

Oha, steile These!? Nein, nein. Ich habe nur das Fragezeichen vergessen. Die eigentliche These ist: Gamer sind vernachlässigte Influencer. Sie sind viel mehr als Nerds oder Kellerkinder ohne Freunde. 

Im letzten Artikel habe ich die eSports Szene ein wenig beleuchtet. Ein stark wachsender Markt, der Unternehmen viele Möglichkeiten bietet. Diesmal geht es um die Menschen dahinter, die Gamer. Und zwar in ihrer Rolle als Influencer.

Influencer sind z.B. die ganzen YouTube Stars* mit Millionen von Abonnenten, die für viel Geld dann Produkte im nächsten Video ganz zufällig in die Kamera halten (mal mit, mal ohne Hinweis). Nicht ohne Kritik, denn nach dem Video ist die Aufmerksamkeit für das Produkt oder die Marke schon wieder weg. Die Halbwertszeit des Product Placements ist sehr gering. Sinnvoller ist das Influencer Relationship Management. Sprich eine langfristige Zusammenarbeit, die Marke und Influencer verschmelzen lässt und gemeinsame Werte schafft. Es gilt den Menschen und den Charakter des Influencers in den Mittelpunkt zu stellen. Die Anzahl der Fans oder Follower wird zweitrangig.

*Neben den YouTubern gibt es natürlich auch andere, sei es Snapchatter, Instagrammers oder sonst was. Der Einfachheit halber nehme ich in diesem Artikel jedoch nur YouTuber zum Vergleich. 

Warum Gamer interessante Influencer sind

Es gibt eine sehr breite Palette von Typen im eSports. Es gibt die lustigen, ernsten, lauten, weisen, neugierigen, verrückten… Ein Beispiel gefällig? Wüstenrot, Sponsor der ESL, hat einige Video Portraits produziert, die erahnen lassen, wie vielfältig die eSportler sind. Demnach gibt es keine Begrenzung beim Finden des richtigen Partners. Bei der Zielgruppe bewegen wir uns vornehmlich im Alterssegment bis 35, bei den YouTubern ist das im Übrigen ähnlich, wenn nicht sogar jünger.

Vorteil Gamer

Ein mindestens genauso wichtiger Grund, warum Gamer nicht außer Acht zu lassen sind: Die bevorzugte Plattform twitch.tv ermöglicht den Streamern eine sehr enge und vertrauensvolle Beziehung zu den Zuschauern, denn twitch legt seinen Fokus nicht nur auf das Video-Streaming, sondern ebenso auf den Chat.* Die Zuschauer diskutieren mit dem Gamer über das Spiel, das Leben, Gott und die Welt. Der Influencers agiert mehr zu einer 1-to-1 als aus 1-to-many Position. YouTuber hingegen sind häufig noch asynchron unterwegs und laden ihre Videos zeitverzögert und bearbeitet hoch, was die Authentizität und den Dialog wenig fördert.

*Auch YouTube bietet Live Streaming an. Doch aktuell ist gerade unter Gamern twitch (noch?) die erste Wahl. 

Gamer "Ninja" ist auch Influencer, hat über 22.000 Zuschauer
Gamer „Ninja“ streamt auf twitch.tv mit über 22.000 Zuschauern.

Ein paar Millionen Follower wären trotzdem nett

Ja, die Reichweite. Zweitrangig, aber nicht unwichtig. Hier gibt es natürlich noch Unterschiede. Es gibt weniger eSportler, die die Millionen Marke brechen, YouTube Stars haben häufig größere Fanzahlen. Aber ein twitch Star wie Kripparian, fast 950.000 Abonnenten auf twitch und 900.000 YouTube, kann da auch mithalten. Und Gronkh hat schlappe 4.500.000 Abonnenten auf YouTube und ca. 650.000 auf twitch, es gibt also die Großen und Gamer haben das Potential, enorme Reichweite zu entwickeln. Doch wie so oft sind die mit der höchsten Reichweite für Unternehmen gar nicht so interessant, da diese entweder schon genug Sponsoren haben oder eigentlich schon selber als Marke funktionieren und keine Partner benötigen.

Das Problem ist bei den „anderen“ Influencern ähnlich und nicht umsonst geht der Trend Richtung Micro-Influencer. Das Ziel einer Auswahl sollte also auf langfristiger Zusammenarbeit liegen, denn Unternehmen profitieren von Partnerschaften – Werbeplätze sind wenig zielfördernd.

Hier wird es spannend

Unternehmen sollten daher nicht nur Instagrammer, Snapchatter und Co betrachten, sondern (gerade) auch Gamer. Und diese idealerweise als Partner selber mit aufbauen. Wer oder wie viele hängt vom Spiel und den strategischen Zielen ab. Aber sicher ist: Wenn der Gamer ein Teil des Unternehmens mit seinen Werten und der Kultur wird, der Zielgruppe auf Augenhöhe und im Dialog begegnet, kann es nur Gewinner geben.

Achtung: Am 6. April richten wir einen Fireside Chat zum Thema „Influencer Marketing“ aus – für weitere Infos und Anmeldeoptionen einfach diesem Link folgen.

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