Meine Berg- und Talfahrt mit Social Media

Bevor ich anfange möchte ich mich erstmal vorstellen: Mein Name ist Marvin Moser, ich bin 18 Jahre alt und komme aus dem kleinen, aber feinen Städtchen Penzberg, südlich von München. Ich habe letztes Jahr mein Abitur gemacht und mich dazu entschieden ein Orientierungsjahr einzulegen.

Neben einer halbjährigen Reise entschied ich mich auch dafür, die Zeit für Praktika zu nutzen. Ich will herausfinden, ob ich studieren oder nicht vielleicht doch gleich arbeiten möchte. Jetzt bin ich vier Monate lang bei der Social Media Agentur AntTrail in Hamburg und wurde gebeten meine persönliche Geschichte in Bezug auf Social Media niederzuschreiben.

Meine ersten Momente mit Facebook

Meine Geschichte begann im Spätsommer 2010 im schönen Bayern. Ich war damals 12 Jahre alt als meine Faszination für das Downhillskateboarden begann. Zusammen mit meinem Vater nutzte ich jedes Wochenende, um unser Hobby auszuüben. Meistens fuhren wir auf spezielle Events nach Österreich oder ins Allgäu, da dort extra Straßen für diese Rennen gesperrt wurden. Der Sport zog nicht nur Leute wie meinen Vater und mich an, sondern auch viele begeisterte Sportfotografen, die von morgens bis abends das Geschehen auf Fotos festhielten. Zu dem Zeitpunkt war Facebook groß im Kommen und alle Fotografen begannen ihre Bilder auf die Social Media Plattform hochzuladen, so dass alle Besucher der Events ganz einfach darauf zugreifen konnten. 

Es dauerte nicht lange, da erblickte mein Facebook Account das Licht der Welt und so konnte auch ich wunderschöne Bilder/Videos von mir beim Skaten im Internet begutachten.                          

   

Mit der Zeit meldeten sich auch immer mehr meiner Freunde bei Facebook an, man begann sich zu adden, gelegentlich ein Foto oder ein Erlebnis zu posten, oder einfach nur sich per Chat zu einer Skate-Session zu verabreden. 

Das Schweizer Taschenmesser der Informationen und seine Zweischneidigkeit

Das Alter schritt voran, ich kam in die Pubertät und Facebook wurde von Tag zu Tag immer mehr zum täglichen Begleiter. Ob als Werkzeug um Mädchen anzubaggern, oder um die allgemeine Langeweile im Leben eines 14-Jährigen aus einer idyllischen Kleinstadt totzuschlagen. Am Ende des Tages war Facebook jedoch auch nie mehr für mich als nur ein Werkzeug! Es half mir mein Leben einfacher und besser zu gestalten. Sei es in der Schulgruppe zu erfahren, dass der Unterricht am nächsten Tag ausfällt, immer auf dem neuesten Stand gehalten zu werden, wann die eigene Lieblingsband wieder in der Nähe spielt oder einfach nur den Kontakt zu Freunden aufrechtzuerhalten, die nicht in Deutschland leben. 

Was mir damals jedoch irgendwann auffiel, und das nicht unbedingt positiv, ist, dass die Straßen unserer Stadt immer leerer wurden. Es waren immer weniger Jugendliche draußen, am Skatepark, Sportplatz oder im Stadtzentrum… alles leer. Zuhause angekommen, auf Facebook eingeloggt und tadaaaa, da sind sie ja Alle (!) online, fleißig am: posten, liken und teilen. Besonders Mädchen waren damit beschäftigt, sich von ihrer besten Seite zu präsentieren und posteten fleißig Selfies oder Bilder, wo sie in freier Natur herumstehen und recht “cool” dreinblicken. Ich glaube das beste Bild, welches ich bis jetzt sehen durfte, war ein Mädchen, das sich tatsächlich im Spätherbst voll bekleidet in einen Tümpel gehockt hat und ein Foto davon auf Facebook stellte. Ich muss zugeben, dass ich es schon wieder witzig fand, trotzdem musste ich mich am Kopf kratzen und fragen: “Ist das normal”?

Wer jetzt denkt: “Naja, das klingt ja noch recht harmlos.”, der könnte im ersten Moment recht haben, wäre da nicht noch die Kommentarsektion unter solchen Bildposts. Hier kam es regelrecht zu Orgien des „Arschvergoldens“, meist handelte es sich um die besten Freundinnen der Poster/innen, die gar nicht mehr aufhören konnten sich mit oberflächlichen Schleimer-Kommentaren zu überschütten, oder vereinzelte Jungs, die hofften, liken und kommentieren würde ihre Beliebtheit bei den Mädels erhöhen. 

Instagram, Snapchat und Co.

Zum Glück folgten bald Snapchat, Instagram und all die anderen Social Media Plattformen, was zur Folge hatte, dass die Mädels mit ihren nervigen Selbst-Inszenierungs-Bildern auf Instagram gingen und sich dort ihre Fanbase zusammenbasteln konnten, ohne dass ich mir das ansehen musste. Snapchat wirkte dagegen recht amüsant und ich probierte es auf Empfehlung meiner Freunde aus. Ich selbst habe so gut wie nie Snaps gemacht, weil ich selten in besonderen Momenten meines Lebens spontan Bock hatte, mein Handy herauszukramen und ein gestelltes Bild/Video zu machen, um es meinen Freunden zu senden. Leider waren meine Freunde auch nicht sehr kreativ mit Snapchat und ich verlor schnell das Interesse an der App, bis sie schließlich auf meinem Handy verstaubte. Ich begann damit Facebook mehr auf meine Interessen anzulegen. Dies begann mit dem liken von Seiten über Musik, Sport, oder Seiten welche täglich lustige Videos posteten. Gleichzeitig blockierte ich aber auch Menschen und Seiten, die mich nervten. 

Die unschönen Seiten von Social Media

Die Zeit verging, ich wurde 16 und traf meine erste große Liebe… Was das mit Social Media zu tun hat?! Nun ja, jeder der sich an seine erste Liebe erinnert, kann verstehen, dass dieses Mädchen mir unglaublich wichtig war. Wenn man verliebt ist, merkt man viele Sachen nicht und wenn die Phase mit der rosaroten Brille endet, treffen einen manche Sachen wie ein fahrender LKW. Dieses Mädchen, welches ich so liebte, machte den lieben langen Tag nichts anderes, als vor ihrem Handy zu hocken, Vine Videos zu schauen, Snaphistorys zu verfolgen, oder irgendwelche Fotos auf Instagram zu liken. Mir fiel immer öfter auf, wie sehr die Kommunikation zwischen ihr und ihren Freundinnen litt, wenn man z.B. zusammen etwas unternahm. Alle hingen hinter dem Handy und checkten die neuesten Snaps oder Posts, anstatt das Zeug einfach mal für 2 Stunden zu vergessen und seine Freunde zu genießen.

Digitale Kommunikation

Mit der Zeit fing ich auch an andere Leute im Bezug auf Social Media zu beobachten und mir fiel auf, dass hauptsächlich Mädchen negativ davon beeinflusst werden und häufig ihr Bezug zur Realität verschwimmt, wenn sie zu viel Zeit investieren. Jungs benutzen all diese Plattformen auch, nehmen aber eher mal Abstand, wenn sie mit Freunden etwas unternehmen. Insbesondere bei der Beobachtung von Fremden in Cafés oder Schnellrestaurants fiel mir auf, dass die reale Kommunikation stark unter der virtuellen leidet. Das hat mich nachdenklich gestimmt und die Frage aufgeworfen, warum das solche Ausmaße annimmt. Eine zufriedenstellende Antwort ist mir noch nicht eingefallen.

Das bessere Fernsehen der heutigen Zeit: YouTube

So! Nachdem ich nun alles schlechte gesagt habe, was ich so zu Social Media loswerden wollte, komme ich nun zum positiven. 

Sicher hat sich von euch jetzt der ein oder andere gefragt, womit ich meine Zeit “verschwende”. Denn auch ich habe eine Social Media Plattform abgesehen von Facebook, welche ich täglich benutze und die ich nicht mehr missen möchte. Ich habe mich in Youtube verliebt und ja, auch ich bin deutlich zu oft und zu lange drauf. Aber manchmal nutze ich es auch sinnvoll, wie zum Beispiel für Gitarrentutorials, DIY Videos oder Mathe/Bio Lehrvideos um mein Abitur zu bestehen. Was Youtube aber für mich eigentlich zu einer Social Media Plattform macht, ist die Kommentarsektion und aus der halte ich mich zu 95 Prozent raus, weshalb ich Youtube für meinen Gebrauch weniger als Social Media Plattform sehe, sondern mehr als mein besseres Fernsehprogramm. Ich selbst kann bestimmen, wann und was ich sehen will. 

Meine aktueller Standpunkt im Leben mit Social Media

Jetzt sitze ich hier mit 18 Jahren im Social Media Team einer Hamburger Werbeagentur. Warum?! Weil ich der Meinung bin, dass alle Social Media Plattformen für jede Person andere Effekte mit sich bringen, so wie YouTube für mich. Der wahnsinnig hohe Suchtfaktor, den all diese Medien mit sich ziehen, ist jedoch nicht zu unterschätzen, man muss halt lernen damit umzugehen. Es ist wie mit Alkohol, während die einen am Wochenende mal ein paar Bier trinken, feiern und sich danach wieder auf ihr Leben konzentrieren, pfeifen sich die anderen ne Flasche Billigfusel hinter die Binde und rauschen durch ihr Leben ohne mitzubekommen, was sie eigentlich verpassen.

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